Cool

sein

Gestern und heute war ich wieder einmal im Hort.

Das Schuljahr geht zur Neige, viele der Kinder sind am Ende ihrer Grundschulzeit, bei manchen setzt die Vorpubertät ein, die Suche nach der eigenen Identität beginnt:

Wer bin ich?
Wie bin ich?
Wie möchte ich sein?
Wie sehen mich die anderen?
Damit verbunden: Wo ist meine soziale Position?
Welches Verhalten wird von mir erwartet?
Welche Rolle habe ich inne?

Unauffällig vor mich hin häkelnd, habe ich gestern die Gespräche der Kinder belauscht. Es geht gerade sehr viel darum, ob jemand „cool“ oder „uncool“ ist:

„Ich bin der Coolste!“

„Du bist gar nicht cool.“

„Ich bin am allercoolsten. Ich bin cooler als deine ganze Familie zusammen!!! Ich bin cooler als dein Vater, dein Bruder und deine Mutter. Und als Du auch.“

Beim Heimradeln habe ich darüber nachgedacht, was „cool sein“ eigentlich bedeutet. So für mich.
„Cool“ von englisch kalt.
Also nicht hitzig.
Vielleicht ruhig, gelassen, besonnen?
Irgendwie aber auch bewundernswert. Eine Art Ideal. Nachahmenswert …

Vermutlich gibt es mehrere Bedeutungen.
Und jeder versteht etwas anderes darunter.

Darum habe ich mir heute ein Klemmbrett (- ihr wisst schon, mein Lieblingswunderwerkzeug! -) geschnappt und eine Umfrage gestartet:

Was heißt „cool“? · Was bedeutet „cool sein“?

Jede Antwort zählt.
Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“.
Jeder kann einfach sagen, was er darunter versteht.
Es ist kein Test und es gibt keine Bewertung.

Hier die Ergebnisse:

„Angeben.“

„Man will sich auffällig machen.“

„Wenn was toll ist. Zum Beispiel Fußball.“

„Ich habe damit nichts zu tun.“

„Dass man cool aussieht, dass man Witze machen kann …“

Nochmal: „Ich habe damit nichts zu tun.“

Ich schreib‘ jetzt was. Ich weiß schon, dass das eigentlich blöd ist, aber für mich ist es halt einfach so: „Cool sein bedeutet für mich, cool sein.“

„Dass man einen nicht nachmacht. Ja, das ist für mich cool.“

„Dass man besser als andere sein mag.“

„Dass man einen rettet.“

„Cool ist, wenn man jemanden hilft und rettet.“

„Cool bedeutet ein bisschen angeben und sich cool fühlen.“

„Cool heißt auf englisch „angeberisch, toll“ und ist auf der Umgangssprache „angeberisch“ und „toll“ auch. Cool ist angeberisch!“

„Gelassen sein, ruhig sein.“ (ErzieherInnenstimme)

„Einerseits entspannt sein, aber auch sich selbst treu sein.“ (Erzieherinnenstimme)

Leider habe ich nicht von allen Stimmen gesammelt.
Die einen wurden abgeholt, ehe ich sie befragen konnte.
Ja, und die anderen … die Allerallerallercoolsten … die hatten keine Lust auf meine Befragung. „Mir fällt nichts ein dazu.“
Na, cool eben 😉

Allen auf jeden Fall herzlichen Dank, dass sie mir ihre Definition gegeben haben.
Oder sich zumindest meine Fragestellung angehört haben.
Irgendwie genügt mir das ja sowieso schon …

Und was sagt der Duden dazu?
(Ich wurde nämlich darum gebeten, „zu Hause in einem Lexikon nachzuschauen, was da steht, was cool bedeutet“ …)

  1. [stets] die Ruhe bewahrend, keine Angst habend, nicht nervös [werdend], sich nicht aus der Fassung bringen lassend; kühl und lässig, gelassen
  2. keine Gefahren bergend, risikolos, sicher
  3. keinen, kaum Anlass zur Klage gebend, durchaus annehmbar, in Ordnung
  4. in hohem Maße gefallend, der Idealvorstellung entsprechend

Synonyme sind:

  • abgeklärt, abweisend, ausgeglichen, beherrscht, besonnen, distanziert, gefasst, gelassen, gemessen, geruhsam, gesetzt, gleichmütig, kalt[blütig], kühl, lässig, ruhig, seelenruhig, sicher, überlegen, vernünftig; (gehoben) souverän; (bildungssprachlich) stoisch
  • ausgezeichnet, brillant, einmalig, erstklassig, fabelhaft, genial, grandios, großartig, hervorragend, sehr gut, sehr schön, vortrefflich, vorzüglich; (umgangssprachlich) astrein, [echt/ganz] prima, [echt] bombig, [echt] heiß, [echt] klasse, [echt] scharf, [echt] spitze, [echt] super, einsame Spitze, [ganz] famos, [ganz] fantastisch, [ganz] toll, glänzend, klassisch, pfundig, stark, tadellos; (österreichisch umgangssprachlich) klass; (umgangssprachlich, besonders süddeutsch, österreichisch, schweizerisch) sauber; (salopp) eine Wucht; (salopp, besonders berlinisch) dufte; (salopp, besonders Jugendsprache) affengeil, [echt] geil; (emotional) wunderbar; (umgangssprachlich emotional verstärkend) supertoll; (oft scherzhaft) göttlich; (berlinisch veraltend) knorke, schnafte; (Jugendsprache) brutal, fett, lässig; (besonders Jugendsprache) [echt] krass; (besonders österreichische Jugendsprache) urcool, urgeil

Im Fremdwörterlexikon heißt es:

1 kühl, ungerührt, distanziert, ohne Erregung
2 [Jugendspr.] hervorragend, gut

Wie ich es mir dachte … es gibt keine ganz eindeutige Auslegung.
Ein nuancenreicher Begriff!

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Dieser Beitrag wurde am 20. Juli 2016 um 19:15 veröffentlicht und ist unter ErzieherInnenleben, Gemeinschaftsleben, Kinder, Spracherleben abgelegt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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